25. Brunsbrocker Abend am 19. März 2019

Thema: "Good News in a Fake News World"

Referent: Prof. Dr. Christian Neddens (Oberursel)

Anlässlich dieses 25. Brunsbrocker Abends im Müllerhaus, fiel die Begrüßung der zahlreichen Gäste durch den Diskussionsleiter etwas ausführlicher aus. Er verwies auf die Anfänge dieser Vortragsreihe vor 10 Jahren. Damals haben Gemeindemitglieder angeregt, aktuelle gesellschaftliche Themen außerhalb der Kirchenräume zu diskutieren. Dazu wurden fachkundige Referenten eingeladen. Unser damalige Pastor Neddens unterstützte nicht nur dieses Anliegen, sondern brachte sich auch selbst aktiv ein. So begann die Reihe der Brunsbrocker Abende am 21.10.2009 mit dem Vortragsthema „Meine Rolle als Bürger und Christ“, Referent Pastor Dr. Christian Neddens. Weitere wichtige Themen im Laufe der Jahre beschäftigten sich u.a. mit Fragen zur Wirtschaftsethik, Organtransplantation, zu Fragen des Internets, zu Flüchtlingen, zum Einfluss  der christlichen Ethik auf unser Leben und natürlich im Jubiläumsjahr 2017 zu Martin Luther.
Dieses mal hat nun Herr Dr. Neddens- seit 2018 Professor für systematische Theologie an der lutherischen theologischen Hochschule Oberursel – den 25. Vortrag mit oben angekündigtem Thema gehalten.
Einleitend zum Vortrag verwies der Diskussionsleiter auf einen Zeitungsartikel aus der Verdener Allerzeitung vom 13. März 2019:
-Auf der 55. Jahrestagung des Instituts für Deutsche Sprache in Mannheim wurde zum Begriff Fake News folgendes gesagt: "Der Begriff Fake News sei in der Wissenschaft verpönt. Er ist in Misskredit geraten, weil er wie bei US Präsident Donald Trump die Stigmatisierung missliebiger Medien zum Ziel hat.“ In der Forschung wird der Begriff Aktuelle Desinformation bevorzugt.-

Prof. Neddens ging zuerst kurz auf den Begriff Fake News ein und brachte einige Beispiele. Fake News sind seiner Meinung nach Fehldeutungen, die ein falsches Bild der Wirklichkeit zeichnen. Aber nicht nur nachweislich falsche Meldungen sind bedenklich, auch Meldungen, die nur angenehme Punkte aus einem großen Zusammenhang veröffentlichen, sind problematisch. Professor Neddens sieht durch Fake News eine strukturelle Gefährdung einer ausgewogenen Informationspolitik, die er an 5 Punkten festmachte.

1. Durch gefilterte Informationen wird die Öffentlichkeit gespalten. Es gibt
    keinen weitreichenden Konsens mehr. In einer globalisierten Welt wird es
    immer schwerer die Wahrheit zu erkennen.

2. Kontexte: Heutzutage ist viel von „Blasen“ (Internetblase) die Rede, in denen
    die Menschen leben. Filterblasen beeinflussen durch Nutzung von Algorithmen
    unsere Entscheidungen und gefährden so unsere eigenen Überlegungen.

3. Vertrauen: Das Vertrauen der Menschen untereinander wird in Frage gestellt.
    Das Misstrauen in die Medien fördert die Konfrontation.

4. Interesse an Wahrheit: Die Vielfalt der Medien führt auch zu verschiedenen
    Welten der Wirklichkeit, die es schwer machen „die Wahrheit“ zu finden.
    Hinzu kommt, das virtuelle Welten uns den Blick auf die reale Welt
    verschleiern. Die Globalisierung hat auch zu Gewinnern und Verlierern
    geführt. Leider findet häufig kein Gespräch zwischen diesen Gruppen statt.

5. Leiblichkeit: Leider geht heute durch die virtuelle Welt der direkte
    Kontakt(Gespräch) mit den Menschen verloren.

Den Fake News stellte Prof. Neddens im zweiten Teil seines Referats die Good News gegenüber. Diese könnten hilfreich sein im täglichen Leben, trotz der Fake News sich besser zurecht zu finden.

Good News sind die Geschichten des Evangeliums. Hier wird uns die göttliche Botschaft mitgeteilt, dass wir lt. Luther zwar Sünder sind, aber durch die Gnade Gottes die Sünden nicht angerechnet werden. Vor Gott sind wir alle gleich. Es gibt keine Aufteilung der Welt in „Die und Wir“. Eine interessante Befragung unter Menschen mit einem kirchlichen Bezug und solchen ohne kirchlichen Bezug hat gezeigt, dass die Religion zwar keinen Unterschied im Einfluss auf das Wohlbefinden der Befragten bewirkt, dass aber das Vertrauen zu seinen Mitmenschen und das soziale Engagement bei den Menschen mit christlichem Bezug deutlich höher ausgeprägt ist. Als Ausblick nannte Prof. Neddens folgende Punkte:

- Christ sein heißt in Zuversicht leben

- wir sollen Gottes Wort öffentlich entdecken

- wir sollen Vertrauen in Gott haben

- wir sollen menschliche Bindungen wagen

Mit Hilfe dieser Punkte kann die Orientierung im täglichen Leben erleichtert werden.

(H.-H. Winkelmann)